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Demokratisierung der Hochschulen

Mitbestimmung

Hintergründe, Analysen und Kritik – Recherchen des AK Bildungsperspektiven<>Wenn auch die Gründe unterschiedlich sind, aus denen junge Frauen und Männer einen Berufsabschluss verfehlen, so lassen sich doch Risikofaktoren erkennen:

  • Jugendliche Migrantinnen und Migranten haben ein dreimal höheres Risiko als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen, ohne Berufsabschluss zu bleiben.
  • Trotz /besserer Schulabschlüsse bleiben junge Frauen häpuf>iger als junge Männer ohne Ausbildung. In der Berufsorientierung werden Mädchen immer noch stark auf wenige und „überlaufene“ traditionelle Frauenberufe orientiert.
  • Zur Geschichte der studentischen Mitbestimmung

    Zwei Drittel der jungen Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung haben auch die Schule ohne Abschluss verlassen. Auch mit Hauptschulabschluss bleiben 27 % ohne Ausbildung, mit Realschulabschluss sind es 8,4 %. Nur 6,9 % der Abiturienten tragen das gleiche Risiko.

  • Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen erreichen angesichts des zu geringen Angebots leichter als Jugendliche mit niedrigeren oder ohne Schulabschluss ein Ausbildungsverhältnis (Verdrängungswettbewerb).
  • Seit Jahren bleiben auch solche Jugendliche ohne Abschluss, die vor Ort chancenlos waren, weil der Markt in ihrer Region zu wenig Ausbildungsplätze hergibt („Marktbenachteiligte – Leben in der falschen Region“).
  • Mit der Demokratisierung der Hochschulen wird das Bemühen bezeichnet, alle universitären Gruppen gleichberechtigt am hochschulinternen Entscheidungsprozess zu beteiligen. Dieses Reformvorhaben hat seinen Ursprung in den sechziger Jahren, als die Studentenbewegung das politische Autoritätsprinzip in Frage stellte und gegen hierarchische Universitätsstrukturen protestierte. Damals geriet vor allem die Position der Institutsdirektoren in die Kritik, weil sie mit ihren weitreichenden Kompetenzen einen außergewöhnlichen Einfluss auf die Hochschulen ausüben konnten. Sie durften uneingeschränkt über Forschungsprojekte, Lehrveranstaltungen, finanzielle Mittel und Personalfragen bestimmen, ohne auf Mitarbeiter oder Studierende Rücksicht nehmen zu müssen. Ihre Machtstellung war ebenso im 19. Jahrhundert verwurzelt wie die Gesamttradition der dOhne Berufsabschluss laeutschen Universität.nden viele junge Menschen in Gelegenheitsjobs, in un- und angelernten Tätigkeiten mit niedrigem Einkommen und geringer sozialer Absicherung. Oft ist der Weg in die Sozialhilfe vorprogrammiert, und der Weg heraus nur schwer möglich.

Die hohe Selektivität der beruflichen Ausbildung bezüglich der Zugangschancen, der Abschlüsse und der dadurch vermittelten Chancen ist nicht neu. Das System der dualen Berufsausbildung bot jedoch in der Vergangenheit dem weitaus größten Teil aller eine Berufausbildung nachfragenden jungen Menschen die Chance, relativ erfolgreich zu sein. Das ist heute nicht mehr so.

Um die quantitativen Defizite abzufedern, tritt der Staat immer stärker als Akteur bei der Schaffung von Angeboten für junge Menschen auf, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben: Berufsgrundbildungsjahre und Berufsvorbereitungsjahre wurden massiv ausgedehnt, außerbetriebliche Ausbildung wurde mangels betrieblicher Plätze ausgebaut und die Bundesagentur für Arbeit finanziert Bewerbungstraining und Lehrgänge in großem Umfang. In den neuen Bundesländern sind etwa 80 % der bestehenden Ausbildungsplätze aus öffentlichen Mitteln subventioniert.

Die dramatische Situation am Ausbildungsstellenmarkt belastet nicht nur die jugendlichen Arbeitslosen. Auch für jene, die einen regulären Ausbildungsplatz bekommen haben, nimmt der Druck zu. Die DGB –Jugend hat in einem Schwarzbuch Ausbildung6 77 Fälle dokumentiert, in denen junge Menschen von unzumutbaren Ausbildungsbedingungen berichten. Das Spektrum reicht von ausbildungsfremden Tätigkeiten wie Streichen der Privatgarage, Mobbing über vorenthaltene Ausbildungsvergütungen, viel zu lange Ausbildungszeiten bis hin zu sexuellen Diskriminierungen. Besonders betroffen sind neben jungen Menschen im Einzelhandel vor allem Auszubildende in Büroberufen. Aber auch aus der Medienbranche sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe sind Missstände benannt worden.

Das Schwarzbuch Ausbildung weist auf eklatante Qualitätsdefizite in der Berufsausbildung hin. Die Konzentration auf das quantitative Angebot an Ausbildungsplätzen hat die Frage der Qualität der Ausbildung vernachlässigt. Die Bundesregierung hat diese Situation noch verschärft, indem sie die Ausbildereignungsverordnung, die eine entsprechende Qualifikation des Ausbildungspersonals vorsieht, 2003 für fünf Jahre außer Kraft gesetzt hat.

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Nach dem Berufsbildungsgesetz sollen die zuständigen Stellen die Durchführung der Berufsausbildung kontrollieren. Als zuständige Stelle fungieren neben anderen Kammern vor allem die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern. Die Kammern sind aus ihrer Geschichte und ihrem Selbstverständnis her und letztlich auch dem Gesetz nach Sachwalter der Arbeitgeber- bzw. Unternehmerinteressen, die sich schwer tun, den ihnen vom Gesetzgeber eingeräumten Befugnissen Rechnung zu tragen. Die Wirtschaft dominiert das Geschehen in der Berufsausbildung. Hieran hat auch die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes nichts geändert. Im Gegenteil: Die Dominanz der Kammern wurde weiter gestärkt.

Schlimmer als die, die die Fehlentscheidungen abnicken, sind die, die die abnicken, die die Fehlentscheidungen abnicken.
(Pater Rolf Hermann Lingen, römisch - katholischer Priester)



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