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Österreich: Folgen der Gebühren

Studiengebühren

Die Bundesregierung aus der christlichsozialen ÖVP und der rechtspopulistischen FPÖ war gerade ein halbes Jahr im Amt, als im Herbst 2000 allgemeine Studiengebühren von 363,36 Euro für ÖsterreicherInnen und 726,72 Euro für Nicht-EWR-BürgerInnen beschlossen wurden (Bildung ist in Österreich Bundessache). Der Effekt war, dass im Wintersemester 2001/02, in dem Studiengebühren erstmals erhoben wurden, 45.000 von 230.000 Studierenden ihr Studium abbrechen mussten. Für den Rest verlängerten sich aufgrund der zusätzlichen finanziellen Belastung die Studienzeiten. Die Daten der vom Bildungsministerium selbst veröffentlichten "Studierenden-Sozialerhebung 2002 (PDF) hat detailliert die sozial selektive Wirkung der Studiengebühren nachgewiesen: Insbesondere Studierende aus finanziell schwächeren Familien mussten das Ausmaß ihrer Erwerbstätigkeit erhöhen, um sich Lebensunterhalt und Studium leisten zu können, und sind daher durch die Gebühren am meisten belastet. Die Vermutung von Bildungsministerin Gehrer, mit den Gebühren werde das Leistungsbewußtsein der Studierenden steigen, wurder widerlegt. Hinsichtlich verbesserter Serviceleistungen – wie sie des öfteren propagiert wurden – erwiesen sich die Gebühren für die Betroffenen als wirkungslos, so die Studie weiter. Die Unis haben von dem Geld entweder nichts gesehen, oder es wurden dafür andere Mittel gekürzt: Initiativen, die da und dort mit Geld aus den Studiengebühren gestartet wurden, sind oft entweder kosmetische Korrekturen oder das ohnehin fällige Aufholen von bisherigen jahrelangen Versäumnissen.

Die Studiengebühren wirkten sozial ungerecht und brachten keine positiven Effekte für die Studierenden – vielmehr haben sie Zehntausende zum Abbruch ihres Studiums gebracht oder erschweren ihnen ihren Abschluss. Doch die Regierung hält eisern an ihnen fest. Die Universitätsleitungen bauen auf das Versprechen, dass ab 2004 die Studiengebühren zusätzlich zu ihrem Budget zur Verfügung stehen. Die Kassandrarufe, dass äquivalente Budgetkürzungen zu erwarten sind, verhallen noch ungehört. Eine “Freigabe” der Studiengebührenhöhe durch jede Uni wurder bisher hartnäckig dementiert, doch der Boden wurde schon bereitet.

Christian Bruckner ist Mitarbeiter im Referat Bildungspolitik der Österreichischen HochschülerInnenschaft.

Die Gemeinschaft darf keine Maske sein, unter der der eine lächelt und der andere weint.
(Georges Pompidou)



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