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USA: Drastische Zunahme der Armut trotz Wachstums

Sozialpolitik

Die US-amerikanische Wirtschaft ist im Jahre 2004 um 3,8 Prozent gewachsen, das verfügbare Haushaltseinkommen ist jedoch für die meisten US-Bürger bis weit in die Mittelschicht hinein gesunken. Dies geht aus dem Jahresbericht des Census Bureau der US-Regierung hervor, der vergangenen Woche erschienen ist, von dem aber kaum Notiz genommen wurde, weil der Hurrikan Katrina die Gemüter beschäftigte. Obwohl die US-Wirtschaft seit nunmehr vier Jahren hohe Wachstumsraten aufweist, ist der Median der Einkünfte im letzten Jahr auf 44 389 Dollar gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit 1997. Im Unterschied zum absoluten Durchschnittswert der Einkommen, ist der Median ein Wert, der genau in der Mitte einer statistischen Verteilung liegt. Bei der Berechnung des Census Bureau bedeutet dies, daß 50 Prozent der US-Haushalte 44389 Dollar oder weniger haben und die anderen 50 Prozent 44389 Dollar oder mehr. Auch die amerikanische Mittelklasse, die statistisch als jene 20 Prozent der Haushalte definiert ist, deren Einkommen zwischen den unteren und oberen 40 Prozent der Gesamteinkommen liegen, hat in den Bush-Jahren Federn lassen müssen. Das Durchschnittseinkommen dieser Schicht ist inflationsbereinigt seit 1999 um 3,8 Prozent auf 44555 Dollar gesunken. Noch drastischer sanken die Einkommen der untersten 20 Prozent der US-Haushalte in diesem Zeitraum und zwar um 8,7 Prozent auf 10264 Dollar. Nur die obersten fünf Prozent der Haushalte konnten 2004 einen Einkommenszuwachs verzeichnen.

Laut Census Bureau hat die Ungleichheit der Einkommensverteilung 2004 somit einen historischen Rekordstand erreicht. Der Anteil der untersten 20 Prozent der US-Haushalte am Gesamteinkommen betrug 2004 nur noch 3,4 Prozent gegenüber 4,1 im Jahr 1970 und der der Mitteklasse 14,7 Prozent gegenüber 17,4. Doch unabhängig von der Einkommensentwicklung gibt es weitere Indikatoren für eine zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich in den USA. Das Heer der US-Arbeiter, die ohne jede Sozial- und Krankenversicherung schuften müssen, ist im vergangenen Jahr um weitere 800000 auf 45,8 Millionen angewachsen. 1,1 Millionen Menschen mehr als im Vorjahr galten 2004 offiziell als arm. Diese Gruppe wuchs damit auf 37 Millionen an.

“Junge Welt” vom 8.09.05



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