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News / 20. January 2009 - 17:28 Uhr

Entdemokratisierung an der Leuphana Universität Lüneburg

Elitetürme

Seit dem 16.12.2008 steht es fest: Die 40 neuen Professuren, der nächsten Jahre werden durch Berufungskommissionen überwiegend „mit externen Professorinnen und Professoren sowie mit gleichermaßen geeigneten Personen besetzt“ werden. Das beschloss der Stiftungsrat, das höchste Gremium der Stiftungsuniversität Lüneburg in seiner konstituierenden Sitzung. Darüber hinaus wurde die Abschaffung des Stiftungsbeirats verkündet. In diesem Gremium hatten bisher auch die studentischen Vertreter die Möglichkeit gehabt mit den Mitgliedern des Stiftungsbeirats die Wünsche und Sorgen der Studenten zu diskutieren. An Stelle des Stiftungsbeirats solle in Zukunft der Präsident die Meinungen „gebündelt“ dem Stiftungsrat vortragen. Viel ist passiert seit die Universität Lüneburg den Wettbewerb im Exzellenzcluster „kleinerer und mittlerer Hochschulen“ gewann. Mit einer Werbefirma, „Scholz&Friends“, die unter anderem auch den Infopavillon für die umstrittene U4 in der Hamburger Innenstadt gestaltet hat, wurde der Universität erst einmal ein neuer Name und ein neues Logo verpasst. Die Universität Lüneburg hört seitdem auf den Namen „Leuphana Universität Lüneburg“ und hat ein Sechseck, dessen Kanten alle mit dem Mittelpunkt verbunden sind, als Logo. Die Palette der Meinungen riecht von „Ist doch gut.“ über „Das hätten ja Studenten besser hin gekriegt!“ bis „Logo? Wo ist da ein Logo?“. Nun das sei jedem selbst überlassen. Auch an Prominenz mangelt es der „Leuphana“ nicht. Da begrüßen auch mal eben Jimmy Carter oder Wolfgang Clement die Erstsemester. Da kann man sich ordentlich was drauf einbilden ... . Alles Friede, Freude, Eierkuchen? Ganz und gar nicht, denn spätestens seit der umstrittenen Berufung des „Stararchitekten“ Daniel Liebeskind zum Professor ohne Lehr- oder Forschungsauftrag rumort es. Besonders pilant: Herr Liebesind wurde, gegen dem Willen zahlreicher Angehöriger der Statusgruppen, durch eine externe Berufungskommission bestellt. Doch ein Professor ohne Studiengang war noch nicht das Ende der Fahnenstange. Der nächste Hammerschlag des Präsidiums traf mitten ins Herz demokratischer Mitbestimmung. Die nächsten 40, in den nächsten Jahren zu besetzenden, Professorenstellen sollen nicht mehr nach Artikel 26, Absatz 1 des Niedersächsischen Hochschulgesetzes durch Berufungskommissionen mit Vertretern der drei Statusgruppen, Professoren, Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern berufen werden. Stattdessen wolle man „externe Berufungskommissionen“ nach Absatz 3 einrichten. Nach heftigen Protesten bot das Präsidium einen „Kompromiss“ an. Die sechsköpfige Kommission solle aus zwei internen und vier externen (Professoren-) Mitgliedern bestehen. Die rechtlichen Bedenken gegen die Anwendung des Absatzes 3 und die Auslegung der Formulierung „(...) ausschließlich mit externen Professorinnen und Professoren (...)“ wurde geflissentlich ignoriert. Am 16. Dezember 2008 war es dann endgültig. Der Stiftungsrat folgte dem Vorschlag des Präsidiums, für alle Berufungen der nächsten Jahre, externe Berufungskommissionen einzusetzen. Als besonderes „Bonbon“schaffte man gleich noch den Stiftungsbeirat ab. Das bedeutet das Ende der demokratischen Mitbestimmung seitens der Studenten, auch auf lange Sicht. Denn mit der Abschaffung des Stiftungsbeirats verloren die Studenten wichtigsten, weil einzigsten, offiziellen Kommunikationskanal zu den Stiftungsratsmitgliedern. Das die Sorgen und Wünsche der Studenten mithilfe „neue®, flexible® und kreative®“ Kommunikationsformen besser Gehör finden, darf bezweifelt werden. Die „neuen Kommunikationsformen sehen nämlich wie folgt aus: „Der Präsident soll die Meinungen innerhalb der Universität bündeln und dem Stiftungsrat darstellen.“ Da kann man nur noch an die Worte von Angela Merkel denken, die im Vorfeld ihres Bildungsgipfels die „Leuphana“ besuchte. Die Bundeskanzlerin verwies daruaf, dass Studenten wegen der kurzen Verweildauer, nicht die Befähigung hätten universitäre Entwicklungsprozesse zu bewerten. Eine Absage an die Demokratie oder ein Plädoyer für das Diplom? Wer weiß ...