Themen


Dossiers


News / 05. December 2009

Frankfurter Lehrende sprechen sich gegen Räumung aus

Räumung des besetzten Campus in Frankfurt

Als Lehrende der Goethe-Universität Frankfurt missbilligen wir die vom Präsidium getroffene Entscheidung zur polizeilichen Räumung der Universität und den gewaltsamen Abbruch der Alternativveranstaltungen von Studierenden und DozentInnen im Rahmen des Bildungsstreiks.

Die in der Begründung vorgebrachten Argumente bezüglich der Sachbeschädigungen rechtfertigen nicht die gewaltsame Auflösung von selbstorganisierten Lehrveranstaltungen durch ein Polizeikommando. Die Räumung stellt einen nicht akzeptablen Eingriff in die Freiheit von Forschung und Lehre dar. Die ausschließliche Fokussierung auf „Vandalismus“ dient einzig der Delegitimierung und Kriminalisierung des Protests und lenkt von den intensiven inhaltlichen Auseinandersetzungen ab: Bildung braucht Zeit und Raum. Dies zu organisieren war Ziel der Besetzer/innen des Casinos des IG Farben-Hauses. Sachbeschädigungen sind von der Mehrheit der Besetzer_innen weder unterstützt noch gutgeheißen worden.

In über 70 Workshops haben sich Studierende und Lehrende mit dem dringenden Anliegen einer Analyse und Bewertung der Hochschulreformen sowie der Studien-, Lehr- und Forschungsbedingungen an unserer Universität auseinandergesetzt. Dem von ihnen in Gang gesetzten, notwendigen Diskurs hat sich das Präsidium entgegen aller Behauptungen entzogen.

Wir wenden uns entschieden gegen die konfrontative Haltung und Missachtung der Anliegen der Beteiligten des Bildungsstreiks und fordern die sofortige Einstellung der strafrechtlichen Verfolgung von Studierenden und Dozent/innen. Wir fordern die Universitätsleitung auf, die Aktivitäten im Rahmen des Bildungsstreiks nicht mehr zu behindern.

Frankfurt, den 3.12.2009

ErstunterzeichnerInnen:
Christoph Bauer
Dr. Kendra Briken
Dr. Oliver Brüchert
Dr. Sonja Buckel
Simone Claar
Prof. Dr. Alex Demirović
Prof. Dr. Andreas Eis
Juliane Hammermeister
Prof. Dr. Joachim Hirsch
Johanna Hoerning
Dr. Stefanie Hürtgen
Dr. Dirk Martin
Susanne Martin
Prof. Dr. Frank Nonnenmacher
Dr. Nadja Rakowitz
Margit Rodrian-Pfennig
Dr. Martin Saar
Prof. Dr. Thomas Sablowski
Dr. Jens Wissel
Dr. Claudia Wucherpfennig
Wir bitten um die Unterstützung dieser Erklärung.
UnterstützerInnen melden sich bitte bei Thomas Sablowski, sablowski@soz.uni-frankfurt.de.

Diese Newsmeldungen könnten Dich auch interessieren:

Die Tragik des modernen Menschen ist nicht, dass er immer weniger über den Sinn des eigenen Lebens weiß, sondern dass ihn das immer weniger stört.
(Václav Havel)