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News / 02. July 2009

Kommentar: Weine nicht, lieber Wirtschaftsstudent!

Prof. Dr. Bert Rürup

Du warst heute im Audimax der Technischen Universität Darmstadt? Und hast versucht eine Vorlesung zum Thema “Vom Elend der wissenschaftlichen Politikberatung” zu hören? Und du hast mit einem tollen Vortrag, einer brillianten Rhetorik, überzeugenden Argumenten gerechnet? Und du musstest feststellen, dass durch und durch bösartige, widerwärtige und stinkende Kreaturen heute deine Vorlesung zunichte gemacht haben? Dann vermutlich warst du in der Abschiedsvorlesung von Professor Dr. Bert Rürup – oder nennen wir es einfach beim Namen: die Lobdudelei eines der Schwerverbrecher am Rentensystem in Deutschland.

“Demokratie findet auf der Strasse statt” riefen einige Besucher der Veranstaltung empört den Protestierenden zu. Andere behaupteten, es sei nicht der richtige Rahmen. Warum wir denn nicht draußen demonstrieren. Und dass es der falsche Ort sei. Doch es war genau der richtige Ort und die richtige Zeit zum Protest. Der richtige Ort, weil genau jener direkt mit dem Protest konfrontiert wurde, der einer der Hauptverursacher des Rentenabbau ist. Das ist Fakt. Auch wenn manch ein Besucher dadurch seinen persönlichen Gott nicht hören konnte.

Die richtige Zeit, weil es noch nicht zu spät ist, um das systematische Zerstören des Rentensystem noch aufzuhalten. Und es war auch die richtige Form des Protests, da es ein einfaches “Du hast alles toll gemacht!” bei Bert Rürup nicht geben kann.

Man versuchte bei der Veranstaltung die Protestierenden dadurch zu delegitimieren (wie unwürdig für WissenschaftlerInnen!) dass man Argumente hören wollte und gleich behauptet, sie hätten keine und seien zu feige sich einer Diskussion zu stellen.

Doch die Wahrheit ist, dass Bert Rürup sich nie der Kritik an seinem Rentenumbau gestellt hatte.

Man versuchte weiterhin in der Presse (siehe Pressemitteilung der Technischen Universität Darmstadt vom 02. Juli 2009) die Protestierenden als kleine Minderheit darzustellen.

Doch auch hier ist dies nichts weiter als das Ablenken vom Thema und die Diffamierung des Protests. Wie einfältig.

Leider ist der Präsident der Technischen Universität nur daran interessiert, seine Lehre und Forschung als “exzellent” darzustellen. Und da passt es ihm sicher nicht in den Kram, wenn einer seiner führenden Köpfe kritisiert wird.

Was daraus lernen, lieber Wirtschaftsstudent?

Erstens: die anwesenden Protestierenden sind nicht die einzigen, die gegen diese Rentenreform sind.
Zweitens: Rürup darf man kritisieren und man braucht sich auch nicht wundern, wenn andere dies tun.
Drittens: Falle nicht auf Diffamierungen und Versuche der Delegitimierung des Protests herein. Den Argumenten gehen die Verantwortlichen immer gerne aus dem Weg.

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Wir wollen uns völlig klar darüber sein, dass der Nationalismus ein Laster ist. Wir meinen mit ‚Nationalismus‘, jede übergebührliche Betonung der Nationalität… Der Nationalismus ist ein Laster, weil er sein Augenmerk auf vergleichsweise belanglose Dinge lenkt… und dabei das Wesentliche übersieht, das einfach darin besteht, dass er (jeder Mensch) ein Mensch ist. (…) Was macht es schon aus, dass ich Englisch spreche und jemand anders Deutsch, dass meine Haut weiß ist und die eines Negers schwarz ist, dass ich Jude bin und mein Nachbar anderen Glaubens… Lasst uns denn im Namen der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes diese Unterschiede vergessen, damit wir uns unseres gemeinsamen Menschseins erinnern.
(Victor Gollancz)